FILMLANDSCHAFTEN DEUTSCHLAND

Adem’in Trenleri

„Adam und der Teufel“

TR 2007, 103 min., OmU
Adem’in Trenleri
Regie: Barış Pirhasan

Die Dorfbewohner staunen: Da kommt ein Imam namens Hasan mit Frau und Tochter in ein Dorf an einer Eisenbahnstation – mitten in Anatoliens tiefster Provinz. Dort lehrt er nun an der Dorfschule Religion während des Ramadan. Der kleine Sohn des Bahnstationsaufsehers, Adem, gerät in den Sog seiner bildhaften Erzählungen über Tod und Teufel, Himmel und Erde. Er ist fasziniert davon und zugleich äußerst verwirrt. Hasan wiederum irritiert die Dorfbewohner durch sein seltsames Gebaren mit Frau und Kind, und eines Tages muss er das »Geheimnis« lüften, das ihn zu seiner Flucht in das Provinzkaff veranlasste: Er hat die Frau geheiratet, als sie nach ihrer Schwangerschaft vom eigentlichen Vater sitzengelassen worden war.

Pirhasans Film erzählt eine äußerst anrührende Liebesgeschichte, die er eng verknüft mit dem Provinzmilieu, bildstark und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt.


Darsteller:
Nurgül Yeşilçay, Cem Özer, Derya Alabora

Vorstellungen:
 04.3.2008   18:15  |  Kino: CINECITTA'
 07.3.2008   18:15  |  Kino: CINECITTA'
 09.3.2008   16:00  |  Kino: KommKino

Akamas

CYP 2006, 124 min., OmU
Akamas
Regie: Panicos Chrysanthou

Was passiert, wenn Fanatismus absurde Züge bekommt und wie verhalten sich Menschen dazu, die politischem Irrsinn nicht folgen wollen? Die Rede ist von Zypern, in der Sicht von Panicos Chrysanthou einst fast eine Idylle des Zusammenlebens von Türken und Griechen, Christen und Muslimen. Er erzählt den bis heute ungelösten Konflikt anhand einer ganz einfachen Geschichte:
Ein junger Türke namens Omeris wächst während der »unschuldigen Jahre« mit griechischen Zyprioten auf und verliebt sich in eine junge Griechin. Als plötzlich der Konflikt ausbricht und rasch absurde Züge entwickelt, kämpft er mit dem Dilemma, einen allein aus politischen Gründen geschaffenen Graben überspringen zu müssen, um mit dem Menschen zusammen sein zu können, den er liebt. Der realen Teilung des Landes in zwei feindliche Zonen folgte die mentale: Wo vorher Zusammenleben möglich war, herrscht jetzt Feindseligkeit.

»Akamas« ist eine Halbinsel im Westen Zyperns, symbolischer und realer Ort der Filmgeschichte. Die Schönheit der Landschaft und das »homerische Licht«, das auf sie fällt, repräsentieren den schmerzlichen Kontrast zu dem realpolitischen Trauerspiel.


Darsteller:
Christopher Greco, Agni Tsangaridou, Thodoris Michaelidis, Alkis Kritikos, Derman Atik, Hagide Osman

Vorstellungen:
 07.3.2008   21.00  |  Kino: Festsaal

Auf der anderen Seite

DE 2007, 122 min., OF
Auf der anderen Seite
Regie: Fatih Akın

»Gegen die Wand« war ein riesengroßer Erfolg und machte Fatih Akın international bekannt. Umso überraschender nun dieser längst auch mit zahllosen Preisen überhäufte Film, der wesentlich leisere Töne anschlägt. Der Film, zweiter Teil der geplanten Trilogie »Liebe, Tod und das Böse«, spielt vornehmlich in Bremen und Istanbul und erzählt die Geschichten von sechs Menschen, deren Wege sich kreuzen, ohne dass sie voneinander wissen. »Jeder Tod«, sagt Fatih Akın, »ist auch eine Geburt, weil er die Tür zu einer anderen Dimension öffnet«.

Da ist der zurückgezogen lebende Witwer Ali. Er holt die Prostituierte Yeter zu sich – zur Irritation seines Sohnes Nejat, eines jungen deutschen Professors. Kontakt entsteht, als er erfährt, dass sie ihrer Tochter Ayten regelmäßig Geld für ihr Studium heimschickt. Nach Yeters plötzlichem Tod reist Nejat in die Türkei, um Ayten zu suchen. Die ist freilich vor der türkischen Polizei wegen politischer Aktivitäten auf der Flucht – und in Deutschland bei einer Freundin untergetaucht ...

Ein Film wie eine Odyssee der Seelen, spannend, irritierend und sehr intelligent!


Darsteller:
Nurgül Yeşilçay, Baki Davrak, Patrycia Ziolkowska , Tunçel Kurtiz, Nursel Köse, Hanna Schygulla, Lars Rudolph

Vorstellungen:
 03.3.2008   18:15  |  Kino: Festsaal
 05.3.2008   18:00  |  Kino: Festsaal
 08.3.2008   20:00  |  Kino: KommKino

Beautiful Bitch

DE 2007, 103 min., OF
Beautiful Bitch
Regie: Martin Theo Krieger

Die 15-jährige Bica alias »Bitch« schlägt sich allein und verwahrlost auf den Straßen von Bukarest durch. Da begegnet sie dem Ex-Polizisten Cristu, der sie mit falschen Versprechungen weglockt: Sie kommt nach Düsseldorf, um dort ordentliches Geld für sich und ihren innig geliebten kleinen Bruder zu verdienen. Der Job entpuppt sich freilich als organisierter Bandendiebstahl: Bitch und andere rumänische Kinder bilden eine solche »Truppe«, sie hausen auch miteinander in einem miesen Wohnloch, harsch herumkommandiert von Cristu. Eines Tages, bei einem Diebeszug, lernt Bitch ein »normales« Mädchen, einen Teenager namens Milka, aus der Welt der Bürger kennen und erfährt die Freuden des Lebens ohne Angst und Druck. Fortan führt sie eine Art »Doppelleben«, bis Cristu es bemerkt und sie mit Gewalt von der »anderen Welt« fernhalten will. Da freilich kommen ihre neuen Freunde ins Spiel!

Äußerst überzeugend und vital: die junge Katharina Derr als Bitch. Regisseur Theo Krieger wurde bereits für das Drehbuch zu »Beautiful Bitch« im Rahmen des 17. Internationalen Filmfestes Emden preisgekrönt.


Darsteller:
Katharina Derr, Sina Tkotsch, Patrick von Blume

Vorstellungen:
 02.3.2008   19:30  |  Kino: Festsaal
 03.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus

Beyaz Melek

„Weißer Engel“

TR 2007, 120 min., OmU
Beyaz Melek
Regie: Mahsun Kırmızıgül

Der sterbenskranke alte Ahmet will seinen Söhnen nicht zur Last fallen und flüchtet heimlich aus dem Krankenhaus in ein Altersheim, wo er herzlich aufgenommen wird. Dort spüren ihn seine überraschten Kinder dennoch auf. Schließlich entsteht eine durch Zufall bunt zusammengewürfelte Gruppe, die beschließt, ohne Ziel auf die Reise zu gehen: vom Westen bis in den Osten der Türkei.
Es ist ein Roadmovie der ganz anderen Art, denn hier sind es nicht heftige Abenteuer & Action, sondern menschliche Begegnungen und Berührungen, die zu überraschenden Erfahrungen führen. Es ist eine sentimental journey, die für alle Beteiligten eine ganz neue Perspektive gegenüber dem eigenen Leben und der sie umgebenden Welt bringt.

Regisseur Mahsun Kirmizigül ist als Musiker und Sänger sehr bekannt in der Türkei. In seinem Filmdebüt »Beyaz Melek – Weißer Engel« tritt er als Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler und Produzent auf und schuf einen intelligenten, äußerst atmosphärischen und sehr warmherzigen Film mit einem hinreißenden Schauspielerensemble!


Darsteller:
Yıldız Kenter, Mahsun Kırmızıgül, Nejat Uygur, Sarp Apak, Arif Erkin, Ali Sürmeli, Yavuz Bingöl, Emel Sayın

Vorstellungen:
 02.3.2008   21:30  |  Kino: Festsaal
 04.3.2008   21:15  |  Kino: Festsaal
 05.3.2008   20:00  |  Kino: KommKino

Beynelmilel

„Die Internationale“

Tr 2006, 106 min., OmU
Beynelmilel
Regie: Sırrı Süreyya Önder & Muharrem Gülmez

Adıyaman im Jahre 1982 zu Zeiten der Militärjunta: Selbst Musik unterliegt der Zensur. In einem Dorf darf eine Blaskapelle nur unter bestimmten Auflagen öffentlich auftreten und muss sogar Uniform tragen – freilich die der französischen Fremdenlegion. Die Tochter des Kapellenleiters ist verliebt in einen jungen Kommunisten, von ihm erhält sie eine Tonaufnahme der »Internationalen«. Dem Vater geht sie ins ahnungslose Ohr, er studiert sie durchaus naiv mit seiner Kapelle ein, was selbst den örtlichen Statthaltern gefällt – und man spielt sie bei schlussendlich einem großen offiziellen Festakt, zu dem hohe politische Juntabonzen erscheinen. Zugleich werden von Demonstranten rote Transparente mit Protestparolen entrollt. Ein Desaster mit tödlichem Ausgang.

Sirri Süreyya Önder erzählt freilich keine Tragödie in seinem Film, sondern konzentriert sich auf sehr menschliche Aspekte, ganz frei von jeder Melodramatik, mit leichter Hand inszeniert. Was als Komödie daherkommt, endet freilich ganz konsequent und sehr abrupt.


Darsteller:
Cezmi Baskın, Özgü Namal, Umut Kurt, Bahri Beyat, Meral Okay, Nazmi Kırık, Dilber Ay, Oktay Kaynarca

Vorstellungen:
 02.3.2008   16:30  |  Kino: Festsaal
 08.3.2008   18:15  |  Kino: CINECITTA'
 09.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus

Cenneti Beklerken

„Warten auf den Himmel“

TR 2006, 107 min., OmU
Cenneti Beklerken
Regie: Derviş Zaim

Im ottomanischen Reichsgebiet des 17. Jahrhunderts: Eflatun ist ein Meistermaler von Miniaturen, der nach dem Tod seiner Frau und seines Kindes mit seinem Kunsthandwerk aufhört. Um seine verstorbenen Angehörigen zu verewigen, malt er sie – entgegen dem islamischen Bilderverbot – im abendländischen Porträtstil. Er weiß: Das ist eine Sünde, und er hat deswegen Gewissensbisse. Dann soll er auf Anweisung des Großwesirs das Porträt eines Prinzen malen, der wider den Sultan von Anatolien rebellierte. Eflatun wird mit einer Leibgarde nach Anatolien gebracht. Während der Reise dorthin setzt er sich selbstquälerisch mit seinem künstlerischen Konflikt auseinander, bis ihn eine neue Liebe zu erlösen scheint.

Der Film ist nur vordergründig ein Historiendrama mit eindrucksvollen Bildern, Atmosphären und Szenarien, zugleich eine Art Roadmovie. Regisseur Derviş Zaim setzt sich in ihm mit ganz grundsätzlichen und gegenwärtigen Fragen des Verhältnisses von Kunst zu Gesellschaft, Religion und Politik auseinander.


Darsteller:
Serhat Tutumluer, Mesut Akusta, Melisa Sözen, Mehmet Ali Nuroğlu, Rıza Sönmez

Vorstellungen:
 05.3.2008   21:15  |  Kino: CINECITTA'
 07.3.2008   18:30  |  Kino: KommKino
 09.3.2008   19:00  |  Kino: KommKino

Die Anruferin

DE 2007, 84 min., OF
Die Anruferin
Regie: Felix Randau

Irm Krischka ist Anfang 30, eher unauffällig und arbeitet halbtags in einem Waschsalon. Aber sie ist sehr resolut im Umgang mit Kunden, Kollegen und zu Hause mit ihrer ungeliebten, stummen, ans Bett gefesselten Mutter. Wahrlich kein schönes Leben. Gäbe es da nicht das Doppelleben der grauen Irm, die eine schillernde Fantasie hat. Sie ruft anonym, mit verstellter Kinderstimme, wildfremde Menschen per Telefon an, schildert ihnen ihre – erfundenen – Lebensumstände. So kommt es zum Kontakt und Irm sucht dann die Telefonopfer als »Mutter« des fiktiven Mädchens auf. Dann lässt sie das Kind »sterben« – ein makabres Spiel. Und das gerät alsbald außer Kontrolle, denn Irm trifft auf eine Frau, deren plötzlichen Seelenkollaps sie unmittelbar erlebt. Die beiden Frauen entwickeln eine zerbrechliche, zaghafte Freundschaft zueinander, denn plötzlich erkennt Irm einen realen Menschen als Gegenüber an. Das Spiel wird beendet, aber dann treten neue, schockartig wirkende Komplikationen für Irm auf.

Felix Randau entwickelte ein filigranes Kammerspiel zweier verstörter, einsamer Seelen und hat mit Esther Schweins und Valerie Koch zwei ganz stark spielende Frauen in den Hauptrollen.


Darsteller:
Esther Schweins, Valerie Koch, Charlotte Bohning, Bernhard Marsch

Vorstellungen:
 29.2.2008   20:00  |  Kino: KommKino
 01.3.2008   20:30  |  Kino: Filmhaus

Fikret Bey

„Herr Fikret“

TR 2007, 92 min., OmU
Fikret Bey
Regie: Selma Köksal Çekiç

Der Untergang einer alten Welt und ein einziger Tag im Leben eines alten Mannes. Fikret Bey besucht noch einmal sein Lebenswerk: eine alte Fabrik, längst zahlungsunfähig und kurz vor dem Abriss. Er durchwandert die alten Hallen, spricht mit den Menschen dort, erzählt ihnen aus seinem Leben. Seine warmherzigen Erinnerungen an hoffnungsvollere Zeiten werden konfrontiert mit der gnadenlosen sozialen und wirtschaftlichen Kälte, die längst Gegenwart geworden ist.

Obwohl die maroden Hallen und Räume der alten Fabrik permanenter Schauplatz sind, entwickelt der Film überzeugend ein Stück türkischer Zeitgeschichte und zeigt am Beispiel der tragischen Lebenslinien des alten Mannes die Verwerfungen und Verluste gesellschaftlicher wie humaner Werte. Regisseurin Selma Köksal hat intensiv recherchiert, und der kammerspielartigen Inszenierung merkt man positiv die Handschrift ihrer Theaterarbeit an. Ganz überragend und den »intimen« Film mühelos tragend: Hauptdarsteller Erol Keskin!


Darsteller:
Erol Keskin, Fuat Önan, Gökçe Algan, Metin Arslan

Vorstellungen:
 02.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus
 09.3.2008   18:15  |  Kino: Filmhaus

Kabadayı

„Für Liebe und Ehre“

TR 2007, 140 min., OmU
Kabadayı
Regie: Ömer Vargı

Das Gesetz der Straße: Es galt stets für Ali Osman und seine Freunde – sie waren die »Fürsten«, und der Ehrenkodex erforderte, dass sie die Schwachen beschützten. Jetzt freilich sind sie alte Männer und leben ganz friedlich bei Brettspielen. Bis Ali erfährt, dass er einen erwachsenen Sohn hat. Und der steckt in großen Rivalitätsproblemen mit Devran, einem Mitglied der Drogenmafia. Der Grund: dieselbe Frau! Und weil Devran mit äußerst unfairen Mitteln kämpft und den alten Ehrenkodex der Straße ständig missachtet, greift der Vater mit seinen alten Herren ein – es entwickelt sich ein Kampf auf Leben und Tod. Es ist auch eine Auseinandersetzung von Jung gegen Alt, Vergangenheit und Gegenwart.

1997 schufen Regisseur und Drehbuchautor Yavuz Turgul, Produzentin Mine Vargi und Schauspieler Şener Şen mit »Eşkiya – Der Bandit« einen Meilenstein des türkischen Kinos, jetzt ist das Trio mit Ömer Vargi erneut zusammen. Altmeister Şener Şen hat als Gegenspieler diesmal Kenan Imirzalioğlu, derzeit einer der beliebtesten jungen Schauspieler in der Türkei, dazu noch ein echter Frauenschwarm!


Darsteller:
Şener Şen, Kenan İmirzalioğlu, İsmail Hacıoğlu, Aslı Tandoğan, Ruhi Sarı

Vorstellungen:
 03.3.2008   20:00  |  Kino: KommKino
 04.3.2008   18:00  |  Kino: Festsaal
 05.3.2008   21.00  |  Kino: Festsaal

Meine Mutter, mein Bruder und ich

DE 2007, 98 min., OF
Meine Mutter, mein Bruder und ich
Regie: Nuran David Çalış

Regensburg in der Oberpfalz: Ein Junge, Garnik, hütet seine Mutter wie ein »Blindenhund« – sie kann kaum mehr sehen. Der Vater starb hier, fern der Heimat, in fremder Erde begraben. Der Junge hat einen Traum von einem Schatz in seiner Heimat Armenien. Sie sind Asylbewerber in Deutschland seit zehn Jahren und die Entscheidung über ihren Aufenthalt steht bevor. Sein älterer Bruder Areg studiert in München Jura, hat eine deutsche Freundin, träumt von einer Karriere als Filmemacher, bewirbt sich an der Filmhochschule. Aber die Mutter zieht ihn immer wieder zurück, will, dass er eine Armenierin zur Frau nimmt, und er gerät in eine Identitätskrise: Er will sich in seiner neuen Heimat anpassen, nicht zurückblicken. Er verspricht ihr einen »Oscar« aus purem Gold und inszeniert sogar eine Verleihungsfeier mit Bekannten. Und schließlich – sie sind endlich anerkannt in ihrem Asylverfahren – reist er mit der todkranken Mutter und seinem kleinen Bruder nach Armenien. Und – sie finden den Schatz, von dem Garnik stets träumte!


Darsteller:
Erhan Emre, Lida Zakaryan, Kurt Onur Ipekkaya, Mira Bartuschek, Corinna Harfouch, Stefan Hunstein

Vorstellungen:
 29.2.2008   20:30  |  Kino: Filmhaus
 01.3.2008   20:00  |  Kino: KommKino
 02.3.2008   20:00  |  Kino: KommKino

Saturn opposite

„Ein Leben ist nicht genug“

I 2007, 108 min., OmU
Saturn opposite
Regie: Ferzan Özpetek

Ein Großstadtfilm, mitten im Herzen von Rom. Hier erleben wir eine nur anfangs sehr muntere Gruppe von nicht mehr jungen, miteinander befreundeten Leuten, die urplötzlich in Sinn- und Beziehungskrisen stolpern. Alles wird in Frage gestellt: Freundschaften, Liebesverhältnisse, Lebensrealitäten. Die Auseinandersetzungen werden genährt von schlecht verborgenen Emotionen und Ängsten. Ist das eigene Leben noch zu retten? Gibt es überhaupt Alternativen, und wenn ja, sind sie möglich? Jeder der Filmcharaktere ist konfrontiert mit dem Verlust von einer geliebten Person – zudem steht »Saturn in Opposition« – die Sterne lügen nicht!

Regisseur Ferzan Özpetek hat keinen Film über Astrologie gedreht, sondern mit sehr großer Präzision das oft wie ferngelenkt wirkende Handeln seiner Figuren beobachtet und in nur vordergründig kühle, durchkomponierte Bilder von großer Klarheit gesetzt. Der Film ist auch ein Spiegel, den er seiner Generation von halbwegs Arrivierten entgegenhält: So etwas hat seit Fellinis »Roma« große Tradition ...


Darsteller:
Stefano Accorsi, Pierfranceso Favino, Serra Yılmaz, Luca Argentero, Isabella Ferarri

Vorstellungen:
 01.3.2008   18.00  |  Kino: Filmhaus
 03.3.2008   18:30  |  Kino: Filmhaus
 04.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus
 08.3.2008   13:00  |  Kino: Filmhaus

Zincirbozan

„Zincirbozan - Politiker in Arrest“

TR 2007, 105 min., OmU
Zincirbozan
Regie: Atıl İnaç

»Heilige türkische Nation! Die türkischen Streitkräfte haben die Führung des Landes vollständig übernommen.« Diesen lakonischen Satz sprach Putsch-General Kenan Evren am 12. September 1980 über Funk und Fernsehen. Der Filmtitel »Zincirbozan« bezieht sich auf jenen Militärstützpunkt, in dem nach dem Putsch führende Politiker des Landes interniert wurden. Das Land bewegte sich damals am Rand des Bürgerkriegs – Süleyman Demirel war Ministerpräsident – und der Militärputsch war ein schmerzhafter Einschnitt in die demokratische Geschichte der Türkei, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Regisseur Atıl İnaç rekonstruiert jene Zeit mit ihren blutigen Begleitumständen mit den Mitteln des Polit-Thrillers, scheut nicht vor Melodramatik zurück, die er mit trockener Ironie kontert – ähnlich dem Filmklassiker »Z« von Costa-Gavras. Heftige Diskussionen rief dieser Film, der als Drahtzieher jenes Putsches die USA bezichtigt, in der Türkei bei seinem erfolgreichen Start in rund 100 Kinos hervor.


Darsteller:
Bülent Emin Yarar, Haldun Boysan, Suavi Eren, Ayşe Tunaboylu, Suna Selen, Münir Kutlu, Ege Aydan

Vorstellungen:
 02.3.2008   18:00  |  Kino: Filmhaus
 09.3.2008   13:00  |  Kino: Filmhaus