FILMLANDSCHAFTEN: DOKUMENTARFILM

"Nur einmal gut essen gehen" Arm und Reich in Deutschland

DE 2008, 97 min., OF
"Nur einmal gut essen gehen" Arm und Reich in Deutschland
Regie: Gerhard Faul

Die Schere »Arm-Reich« geht immer weiter auseinander: Rund 11 Millionen Deutsche leben am Rand der Armutsgrenze oder darunter. Da ist etwa Hella Stich – sie hat fünf Kinder großgezogen, arbeitete ein Leben lang in Fabriken: 780 Euro Rente. Zum Vergleich: Josef Ackermann, Deutsche Bank, verdient pro Jahr geschätzte 13 Millionen Euro. Die Zukunft soll also dem Turbo- und Heuschreckenkapitalismus gehören, dem man sich widerstandslos unterwirft? Gerhard Faul lässt Betroffene wie auch Fachleute zu Wort kommen, dazwischen stellt er Bilder des Aufmarsches von Macht, Geld & Eitelkeit: gedreht beim Nürnberger Opernball!


Vorstellungen:
 01.3.2008   20:00  |  Kino: Festsaal

Dance for all

DE 2007, 92 min., OF
Dance for all
Regie: Elena Bromund, Viviane Blumenschein

Für Jugendliche aus unterprivilegierten Kreisen ein schmaler Hoffnungsstreif: sich fortzutanzen aus Armut und desolaten Zuständen. Zum Beispiel in den Townships von Kapstadt. Hier wurde im Jahr 1991 die Tanzkompanie »Dance fo all« von Philip Boyd und Phyllis Spira gegründet. Ihr Ziel: Tanzbegabungen nicht nur von der Straße wegzubringen, sondern ihnen eine professionelle Tanz- und Ballettausbildung zukommen zu lassen, die sie befähigt, sich womöglich sogar weltweit als konkurrenzfähig behaupten zu können. Hierdurch motiviert, stürzt sich der Nachwuchs mit phänomenaler Leidenschaft und Energie in die Ausbildung – mittlerweile rund 500 Kinder! Und genau davon erzählt dieser Film in bewegenden, weil authentischen Bildern. So entstand nicht nur ein äußerst lebendiger Film mit hinreißenden Tanzsequenzen, sondern auch ein gar nicht glamouröses Porträt von der Kraft, Träume zu verwirklichen und der sozialen Wirklichkeit dahinter.


Vorstellungen:
 08.3.2008   16:00  |  Kino: KommKino

Der Tag, an dem Theo van Gogh ermordet wurde

DE 2007, 56 min., OF
Der Tag, an dem Theo van Gogh ermordet wurde
Regie: Esther Schapira, Kamil Taylan

Ein Schock: Es ist neun Uhr morgens, mitten auf einer belebten Straße in Amsterdam. Der Marokkaner Mohammed Bouyeri schießt auf den Filmemacher Theo van Gogh, schneidet ihm die Kehle durch und heftet mit einem Dolch ein fünfseitiges Pamphlet, verfasst »im Namen Allahs«, an dessen Brust. Der Mörder wird rasch gefasst. Sein Motiv: Van Gogh hat, zusammen mit der Islamkritikerin Aynan Hirsi Ali, einen sehr polemischen Film wider die Unterdrückung der Frauen im Islam gedreht: »Submission«, und er wollte ihn dafür »bestrafen«. Für Bouyeri, der zeitweise Wirtschaftsinformatik studierte und anfangs keineswegs fanatischer Islamist war, entwickelte sich der Koran zum ausschließlichen Lebensinhalt, während van Gogh diesen als Bruchstelle für seine Provokationen benutzte.

Der Film zeichnet von van Gogh das Porträt eines sprunghaften, widersprüchlichen Charakters mit Hang zur Selbstzerstörung. Sein Mörder wiederum, der in Haft beharrlich schweigt, scheint keineswegs ein psychisch gestörter Einzelgänger zu sein.


Vorstellungen:
 06.3.2008   18:00  |  Kino: Festsaal

Halit Çelenk ile Bir Gün

„Ein Tag mit Halit Çelenk“

TR 2006, 66 min., OmU
Halit Çelenk ile Bir Gün
Regie: Ender Yeşildağ

Halit Çelenk, ein Name, der im selben Atemzug mit der 68er Bewegung der Türkei genannt wird. Ein Zeitzeuge der modernen und turbulenten Türkei. Ein Rechtsanwalt, der sein Leben lang für die Erhaltung und Entwicklung des Rechtsstaates in der Türkei gekämpft hat. »Ich bin ein Verteidiger. Ich habe die edlen und guten Menschen verteidigt, jene Menschen, die ihr Land und Volk liebten und ihr junges Leben dafür aufopferten. Mit diesen Menschen habe ich die Menschenliebe in einer friedvollen und freien Welt verteidigt. Ich liebe diese Menschen. Ist es zu schwer, sein Leben für diejenigen aufzuopfern, die sich selbst der Menschheit gewidmet haben?«

Dem Regisseur gelingt im privaten Gespräch mit Halit Çelenk ein intensiver Film, der mit der Aura und Authentizität dieser starken Persönlichkeit zu einer spannenden Kurzerzählung der 70er Jahre der Türkei wird.


Vorstellungen:
 02.3.2008   13:00  |  Kino: Festsaal

Işkence Izleri Istanbul Protokolü

„Folterspuren – Istanbul Protokoll“

TR 2007, 31 min., OmU
Işkence Izleri Istanbul Protokolü
Regie: Tülay Karacaörenli

Im Jahr 1993 starb ein inhaftierter Student in Izmir in Haft, laut Autopsie an Tuberkulose. Das dortige medizinische Zentrum erhielt Hinweise, er sei tatsächlich an den Folgen von Folter umgekommen. Mithilfe des »Minnesota Protokolls« der »Human Rights Commission«, das Hinweise auf versteckte Folterspuren gibt, konnte man schließlich ärztliche Beweise für Folter vor Gericht bringen. Kurz darauf entstand in der Türkei ein Bündnis von Ärzten und Rechtsanwälten, mit dem Ziel doch selbst solch ein konkretes »Protokoll« zu erstellen. Hinzu kam die Methode der »Scintigraphie«, mit deren Hilfe selbst nach Jahren noch Folterspuren am Körper nachgewiesen werden können. Und so entwickelte sich zwischen 1996 bis 1999 das sogenannte »Istanbul Protokoll«.

Der Film lässt einige der mutigen Aktivisten und Initiatoren zu Wort kommen, die sich sehr überlegt mit der Duldung von Gewalt in Staat, Gesellschaft und Familie auseinandersetzen. Ein stiller, starker Dokumentarfilm ohne jede Polemik.


Vorstellungen:
 02.3.2008   14:10  |  Kino: Festsaal

Lazlar

„Die Lazen - Eine Geschichte von 4000 Jahren“

TR 2007, 110 min., OmU
Lazlar
Regie: Funda Özyurt Torun

Ein nahezu unbekanntes Volk: die Lasen. Inzwischen Teil des türkischen Staates, haben die Lasen freilich uralte kulturelle Wurzeln, und ihre Sprache ist keineswegs ein türkischer Dialekt, sondern eine völlig authentische Muttersprache. Angesiedelt sind sie an der südöstlichen Schwarzmeerküste, im Südwesten Georgiens und im Nordosten der heutigen Türkei. In der Regel haben sie eine hanefitisch-sunnitische Glaubenszugehörigkeit. Immerhin liegt der Ursprung der Lasen im antiken Kolchis, in der Argonautensage die Heimat der Medea, der späteren Frau von Jason, die ihm half, das »Goldene Vlies« zu rauben.

Filmemacher Funda Özyurt Torun fand uralte Traditionen immer noch gegenwärtig, etwa die Wiegenlieder oder bestimmte Trauerrituale. Eine erhebliche Popularität erfährt seit einiger Zeit in der gesamten Türkei lasische Rockmusik, die traditionelle lasische mit modernen westlichen Klangelementen verschmilzt. Eine Entdeckungsreise in eine unbekannte Kultur.


Vorstellungen:
 01.3.2008   16:30  |  Kino: Festsaal
 09.3.2008   11:00  |  Kino: Festsaal
 01.03.2008   16:30  |  Kino: Festsaal

Tagebuch eines Filmreisenden: Fatih Akin

DE 2007, 60 min., OF
Tagebuch eines Filmreisenden: Fatih Akin
Regie: Monique Akın

Dass Fatih Akin seine Filme nicht am Bürotisch entwickelt, überrascht niemanden. Er ist agil, neugierig und scheint über Energien ohne Ende zu verfügen. Also wäre es doch interessant, wie ein Film in so einem Kopf entsteht und dann zur sichtbaren Realität wird! Genau das dachte sich auch seine Frau Monique: Zusammen mit Akins persönlicher Assistentin Nurhan Şekerci drehte sie eine hautnahe Filmreportage während der gesamten Entstehung von Akins letztem, längst vielfach preisgekröntem Film »Auf der anderen Seite«.
Wie arbeitet dieser Mann, wann und warum trifft er welche Entscheidungen? Wie geht er mit seinen SchauspielerInnen, seiner Crew um? Hat er Starallüren entwickelt? Kennt er überhaupt noch ein Leben jenseits von Film & Kino? Fragen über Fragen, die dieser Film sehr facettenreich beantwortet, ohne Fatih Akin zu nahe zu treten. Das Resultat: ein sehr intensiver, persönlicher, lebendiger Film über einen äußerst emotional agierenden Regisseur, der ein Suchender ist und jede Routine wie der Teufel das Weihwasser meidet.


Vorstellungen:
 03.3.2008   20.45  |  Kino: Festsaal

Troya

„Troja“

TR 2007, 90 min., OmU
Troya
Regie: Rıza Baloğlu

Troja, eine unsterbliche Legende, die selbst heute die Phantasie zu bewegen vermag. Dieser Dokumentarfilm beschäftigt sich zwar auch mit Mythos und Realität des historischen Ortes, insbesondere freilich mit dem ganz realen »Schatz« von Troja, der als Beuteobjekt zerstückelt und zerstreut ist. Noch jetzt streiten sich etwa Deutschland und Russland über Teile des Schatzes, den Heinrich Schliemann einst »legal« auf Schleichwegen nach Berlin überführte und der nach 1945 von den Russen zum Teil als »Reparationsleistung« beschlagnahmt worden war. Teile davon lagern nun in Moskau und St. Petersburg. Auch die Türkei, als Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, sieht sich als legitimen Erben jenes Schatzes.

Riza Baloğlus Film lässt sich allerdings nicht auf Rechtsfragen und Anspruchsdenken ein, sondern sieht Troja als außerordentliches Kulturerbe der Menschheitsgeschichte und schlägt folgerichtig vor, Troja möge eine symbolische »Stadt des Friedens« werden, in der die gesamten Fundstücke Forschern wie Besuchern frei und ungeteilt zur Verfügung stehen.


Vorstellungen:
 01.3.2008   14:30  |  Kino: Festsaal