WETTBEWERB DER SPIELFILME

Chiko

DE 2008, 92 min., OF
Chiko
Regie: Özgür Yıldırım

Chiko ist ein junger Türke und lebt in einem freudlosen Hamburger Vorort-Ghetto. Die einzige Chance, aus dem tristen Milieu herauszukommen, sieht er, gemeinsam mit seinem besten Freund Tibet, im Drogenhandel: schnelles Geld, Aufstieg und Respekt, Freizügigkeit, ein bisschen Macht. Ein fataler Kurzschluss, wie sich sehr bald bitter erweisen wird. Brownie, gespielt von Moritz Bleibtreu, kennt das Milieu auf dem Kiez und führt Chiko in die Drogenszene ein. Die Zeichen stehen gut, sehr gut sogar. Aber da begeht Tibet einen folgenschweren Fehler und ein Abgrund tut sich für beide auf ...

Denis Moschitto, der den Chiko äußerst eindrucksvoll und überzeugend spielt, ist selbst Kind einer türkisch-italienischen Einwandererfamilie. Der Film, von Fatih Akins Produktionsfirma »Corazon« produziert, ist ein wuchtiger wie provokanter Beitrag über das Umfeld, in der großstädtische Jugendkriminalität wächst und gedeiht. Sehr realistisch in der Bildsprache, und die ausdrucksstarken Bilder werden mit dem unwiderstehlichen Groove von Hip-Hop-Beats festgeklopft!


Darsteller:
Denis Moschitto, Moritz Bleibtreu, Volkan Özcan, Fahri Ogün Yardım, Reyhan Şahin

Vorstellungen:
 04.3.2008   21:00  |  Kino: CINECITTA'
 06.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus

Der andere Junge

DE 2007, 95 min., OF
Der andere Junge
Regie: Volker Einrauch

Es gibt sie noch, die deutschen Durchschnittsfamilien. Etwa in einem soliden Hamburger Vorort. Da leben die Morells und die Wagners, beide Väter befreundet und in derselben Firma: einem Vertrieb für schwedische Fertighäuser. Sie pflegen Doppelkopfrunden und kultivieren ihre Idylle. Was sie nicht sehen: die Todfeindschaft zwischen ihren Söhnen Robert und Paul, beide in schwerster Pubertät. Der schwächere, Paul, erschießt Robert in einem Akt von panischer Notwehr. Und was tun die Eltern? Sie vergraben den Leichnam und glauben allen Ernstes, das alles vertuschen zu könen. Ein verhängnisvoller Irrtum, denn da wächst kein Gras drüber, sondern jetzt beginnt erst recht die groteske Tragödie.

Volker Einrauch inszenierte diesen Reihenhaus-Thriller als »Low Budget Art House Film« und konnte dennoch mit einem herausragenden Schauspielerensemble arbeiten. Erster Erfolg: Andrea Sawatzki erhielt beim »Montreal Film Festival« den Preis »Best Actress«!


Darsteller:
Willi Gerk, Andrea Sawatzki, Barbara Auer, Peter Lohmeyer, Christian Berkel, Hinnerk Schönemann, Adrian Topol, Gustav Peter Wöhler, Tim Oliver Schultz, Helene Grass, Carolin Spiess

Vorstellungen:
 05.3.2008   18:15  |  Kino: Filmhaus
 08.3.2008   18:00  |  Kino: Filmhaus

Eduard

DGR 2006, 105 min., OmU
Eduard
Regie: Angeliki Antoniou

»Schuld und Sühne«, ganz im Sinne von Dostojewski, sind die zentralen Leitbegriffe dieses außergewöhnlich kraftvollen, dynamischen Films über einen albanischen Mörder. Eduard heißt er, und er begeht in Athen einen brutalen Mord. Er flüchtet nach Albanien, wo er freilich nirgendwo mehr innere Ruhe findet – er selbst, die anderen: Alles erscheint ihm fremd. Vorbei der schöne Traum von einer Karriere als Rocksänger. Schließlich wird er wegen eines Einbruchs eingesperrt, rebelliert, macht sich rundum Feinde und erlebt einen Kollaps. Ihn rettet ein deutscher Arzt, der dort lebenslänglich einsitzen muss und eine rätselhafte, vieldeutige, gleichwohl starke Persönlichkeit besitzt, und zu seiner Vaterfigur wird. Und dann, eines Tages, können die beiden fliehen – in welche Freiheit?

Eduard ist die tragende Hauptfigur, dessen charakterliche und seelische Entwicklung der aus Albanien stammende Hauptdarsteller Eshref Durmishi mit erstaunlicher Souveränität, Sensibilität und Energie gestaltet.


Darsteller:
Eshref Durmishi, André Hennicke, Ndricim Xhepa, Ermela Teli, Manos Vakousis, Meletis Georgiadis, Antonis Hatzis

Vorstellungen:
 04.3.2008   18:15  |  Kino: Filmhaus
 07.3.2008   18:15  |  Kino: Filmhaus

JanJan

TR 2007, 99 min., OmU
JanJan
Regie: Aydın Sayman

Fast eine Idylle: eine Kleinstadt in Anatolien. Aber die Sitten sind rau, das Leben ist hart. Und so verkauft eine Familie ihre wunderhübsche Tochter als Braut an einen reichen alten Mann. Der führt sie in einen »goldenen Käfig«, in dem sie freilich zu ersticken droht, angewidert von ihrem so selbstgerechten wie ignoranten und zudem noch impotenten Gatten. Sie schmiedet Fluchtpläne und verliebt sich ausgerechnet in JanJan, einen von allen Nachbarn als Narr belächelten jungen Mann mit eigentümlichem Verhalten. Sie wird schwanger – das Unheil ist programmiert! Der Ehemann bringt sie zu ihrer Familie und fordert sein Brautgeld zurück, worauf der Vater beschließt, die Tochter zwecks Erhalt der »Familienehre« zu töten. Aber die ist, ebenso wie JanJan, plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

»JanJan« erzählt seine Geschichte wie ein grausames Märchen, in oft archaischen, symbolhaften Bildern, und bietet überraschend realistische, oft groteske Situationskomik.


Darsteller:
Berk Hakman, Selen Seyven, Özay Fecht, Çetin Öner, Levent Yılmaz, Aykut Oray, Aykut Kayacik, Onur Dikmen, Necmettin Çobanoğlu, Ayten Uncuoğlu

Vorstellungen:
 06.3.2008   21.15  |  Kino: CINECITTA'
 08.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus

Mavi Gözlü Dev

„Der blauäugige Riese“

TR 2007, 119 min., OmU
Mavi Gözlü Dev
Regie: Biket İlhan

Das berührende Filmporträt eines großen Dichters: Im Jahre 1938 wird der Dichter Nazim Hikmet wegen angeblicher »kommunistischer Propaganda« im Bursa-Gefängnis eingesperrt und erhält Publikationsverbot. Er gewinnt freilich den Respekt seiner Mitgefangenen, er schreibt Liebesgedichte und politische Gedichte, epische Poeme wie die »Menschenlandschaften« und übersetzt sogar Tolstois »Krieg und Frieden« ins Türkische. Unermüdlich steht ihm seine Ehefrau Piraye zur Seite, aber er verliebt sich, noch in Haft, in eine andere Frau, Münewer, die ihn ebenfalls regelmäßig besucht. Größte seelische Spannungen sind die Folge, hinzu kommt die unabsehbare Haftdauer – er denkt an Selbstmord. 1950 wird Hikmet nach einem Hungerstreik und internationalen Protesten begnadigt, aber schon ein Jahr später muss er aus seiner Heimat fliehen.

Der Film konzentriert sich vornehmlich auf die persönlichen Aspekte von Nazim Hikmet, seine große Ausstrahlung, und zeigt ihn – überzeugend gespielt – als sehr warmherzigen, liebesfähigen Menschen.


Darsteller:
Yetkin Dikinciler, Dolunay Soysert, Özge Özberk, Uğur Polat, Rıza Sönmez, Ferit Kaya

Vorstellungen:
 06.3.2008   18:15  |  Kino: CINECITTA'
 08.3.2008   16:00  |  Kino: CINECITTA'

Mutluluk

„Glück“

TR 2007, 105 min., OmU
Mutluluk
Regie: Abdullah Oğuz

Es beginnt in einem kleinen Dorf und führt zu einer atemberaubenden Odyssee quer durch die heutige Türkei. Ein Mädchen namens Meryem wurde vergewaltigt. Cemal, ein Verwandter, wird beauftragt, die »Familienehre« wiederherzustellen: Er soll mit ihr fortgehen und sie an einem anonymen Ort töten. Im letzten Augenblick überkommen ihn Skrupel und Zweifel. Zurück ins Heimatdorf können sie nicht, also bewegen sie sich ziellos durch Land und Landschaften. Sie erleben Abenteuer und Überraschungen, bis sie auf einen anderen »Aussteiger« stoßen: einen Universitätsprofessor aus Istanbul. Gemeinsam gehen sie auf eine Reise, die ihr bisheriges Leben einschneidend verändern wird.

Der Film basiert auf einer Erzählung von Zülfü Livaneli und schildert äußerst anschaulich den Zusammenprall der traditionellen mit der modernen Türkei: ein Roadmovie, das den Zuschauer von den östlichsten bis zu den westlichsten Punkten des Landes führt.


Darsteller:
Talat Bulut, Özgü Namal, Murat Han, Mustafa Avkıran, Emin Gürsoy

Vorstellungen:
 05.3.2008   18:15  |  Kino: CINECITTA'
 08.3.2008   21:15  |  Kino: CINECITTA'

Rıza

„Riza“

TR 2006, 109 min., OmU
Rıza
Regie: Tayfun Pirselimoğlu

Romantisch ist dieses Leben nicht: Riza ist passionierter Lastwagenfahrer auf der Strecke Istanbul–Adana. Ein Motorschaden entwickelt sich für ihn zur Tragödie. Hoch verschuldet sucht er Arbeit, um Geld aufzutreiben. In einem desolaten Hotel, seiner Unterkunft, leben bizarre Existenzen: etwa ein junger kurdischer Hausierer, ein schwuler Matrose, der auf sein Schiff nach Amerika wartet, sowie ein alter Afghane, der mit seiner Schwiegertochter illegal zu seinem Sohn nach Italien will. Aysel, eine ehemalige Freundin, kann und will Riza nicht helfen. In seiner Ratlosigkeit und Verzweiflung beraubt und tötet er einen Menschen. Nun erst ist er in einer wirklichen Krise.

»Riza« ist eine äußerst intensive Studie von der Einsamkeit einfacher Menschen in der sozialen Kälte der Randbezirke einer Großstadt, stark gespielt. Vor dieser düsteren Kulisse entwickelt Tayfun Pirselimoğlu das durchaus komplexe, von Ängsten und Verdrängungen geprägte Innenleben seines »Helden« Riza.


Darsteller:
Rıza Akın, Nurcan Eren, Hayati Pirselimoğlu, Muhammed Cangören, Melissa Ahmedi

Vorstellungen:
 05.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus
 07.3.2008   21:00  |  Kino: Filmhaus

Sieben Tage Sonntag

DE 2007, 80 min., OF
Sieben Tage Sonntag
Regie: Niels Laupert

Fast wie im wirklichen Leben: eine Clique von Jugendlichen, im fantasievernichtenden Plattenbaumilieu. Kein schöner Ort für hoffnungsvolle Perspektiven, stattdessen Tristesse, Langeweile und diffuse Aggressivität. Und da sind die Mädchen. Wie will man vor ihnen eine gute männliche Figur machen? Alkohol ist das Schmiermittel, und im Halbrausch schließen zwei der jungen Burschen eine fatale Wette ab, mit höchstem Einsatz – das Leben eines wildfremden Menschen. Noch mehr Alkohol, und das Opfer findet sich schließlich in einem anonymen U-Bahnhof.

Regisseur Laupert wurde inspiriert durch einen Zeitungsartikel in der »Süddeutschen« über zwei Jugendliche, die aus nichtigstem Anlass mit schockierender Brutalität eine solche »Wette« realisierten, die einen Unbeteiligten auf grausame Weise das Leben kostete. Ein durchaus schockierender Film, der die wurzellose Spirale von Gewalt ohne die übliche Kinoästhetik nachzeichnet.


Darsteller:
Ludwig Trepte, Martin Kiefer, Jil Funke, Karin Baal, Antonio Wannek, Jennifer Ulrich

Vorstellungen:
 06.3.2008   18:15  |  Kino: Filmhaus
 08.3.2008   18:15  |  Kino: Festsaal

Yumurta

„Ei“

TR 2007, 97 min., OmU
Yumurta
Regie: Semih Kaplanoğlu

Ein sehr poetischer Film mit kraftvollen Bildern: Yusuf, ein Dichter, kehrt nach vielen Jahren Abwesenheit zurück in seinen Heimatort. Seine Mutter ist gestorben, und er sucht ihr heruntergekommenes Haus auf. Dort trifft er überrascht auf Ayla, eine junge Frau, die viele Jahre mit seiner Mutter zusammengelebt hat, ohne dass er davon wusste. Sie verlangt von ihm die Ausführung einer Opferzeremonie, die seine Mutter zu Lebzeiten nicht mehr realisieren konnte. Yusuf, von Schuldgefühlen geplagt und auch angezogen von der ländlichen Atmosphäre mit ihrem ganz anderen Lebensrhythmus, willigt ein. Zusammen mit Ayla macht er sich auf zu der Grabesstätte eines heiligen Mannes, wo die Zeremonie stattfinden soll.

»Yumurta« (»Ei«) ist der erste Teil einer geplanten filmischen Trilogie von Semih Kaplanoğlu, »Ei«, »Milch«, »Honig« betitelt. Zentrales Thema ist ein subjektiver, poetischer Begriff von Zeit und Raum, Wahrnehmung und Erinnerung, orientiert an Filmemachern wie Bresson und Tarkowski.


Darsteller:
Nejat İşler, Saadet Işıl Aksoy, Ufuk Bayraktar, Tülin Özen, Gülçin Santırcıoğlu, Kaan Karabacak, Semra Kaplanoğlu

Vorstellungen:
 07.3.2008   21:15  |  Kino: CINECITTA'
 08.3.2008   21:00  |  Kino: Festsaal